Der blinde Fleck in deiner Kommunikation:
Wie eine KI-gestützte Analyse deine sprachliche Wirkung aufzeigt
Wer glaubt, klar zu kommunizieren, hat selten recht damit. So ging es auch zwei Menschen, mit denen wir gearbeitet haben. Wir nennen sie Svenja und Tom.
Beide sind Teil der Geschäftsführung eines mittelständigen Unternehmens. Sie arbeiten seit zwei Jahren zusammen und verstehen sich menschlich gut. Trotzdem gibt es immer wieder Reibung in der Zusammenarbeit, ohne dass beide sich so recht erklären können, warum. Auch ein früheres Coaching hatte daran wenig geändert.
Bevor wir mit den beiden in einen möglichen Coaching-Prozess starteten, analysierten wir zunächst ihre sprachliche Wirkung. Mithilfe dieser Analyse lassen sich präzise Kommunikationsmuster und damit auch Entwicklungsfelder aufdecken, an denen jeder für sich und dann auch beide miteinander arbeiten können. Denn Svenja und Tom ging es wie den meisten Menschen, beide hatten nur ein vages Gefühl dafür, wie sie auf andere wirken.
Genau das ist der blinde Fleck, den wir mit der Analyse der sprachlichen Wirkung sichtbar machen. Was du selbst über deine Kommunikation glaubst und wie sie bei anderen ankommt, sind oft zwei verschiedene Dinge. Indem wir deine Kommunikationsmuster messen, schaffen wir die Grundlage, um an den dahinterliegenden Themen und damit an deiner Wirkung nach außen zu arbeiten.
Was die KI-gestützte Sprachanalyse misst
Wir arbeiten dafür mit der Analyse von CommPass plus, einer machine-learning-basierten Sprachanalyse. Sie baut auf der statistischen Psycholinguistik auf. Diese schaut sich genau die Muster an, wie Menschen sprechen und schreiben. Diese Muster verraten etwas über die Person, zum Beispiel wie sicher, gestresst oder offen jemand gerade ist. Das Verfahren beruht auf Millionen ausgewerteter Sprachproben. Ausgewertet wird dabei nicht, was du inhaltlich sagst, sondern wie du sprichst: Wortwahl, Satzbau und Wortkombinationen. Dasselbe Wort kann je nach Kontext völlig unterschiedlich wirken. ‚Die Präsentation von Marie ist echt schön geworden’ meint etwas anderes als ‚Der Vortrag von Peter war ganz schön langweilig’. Genau das muss die Analyse mitdenken.
Aus der Sprachprobe entsteht ein Profil mit über 40 Wirkungsweisen: freundlich, motivierend, zuverlässig, kooperativ, lenkend, impulsiv und viele mehr. Die Auswertung gliedert sich in drei Bereiche:
- Kommunikative Wirkungsweisen. Welche sprachlichen Anteile dominieren in deiner Kommunikation und welche werden in deiner Rolle stärker gebraucht? Eine Vertriebsleiterin profitiert von einem hohen Anteil an beeindruckend und motivierend, um Kunden zu gewinnen und mitzureißen. Ein CTO braucht höhere Werte bei strukturiert und zuverlässig, um Vertrauen in technische Entscheidungen aufzubauen.
- Balance Index. Wie ausgeglichen oder angespannt kommunizierst du aktuell? Der Index gibt Hinweise auf deinen Belastungsgrad und deine Resilienz [interner Link: Silo-Artikel „Resilienz stärken“, sobald live]. Das ist oft der Teil der Auswertung, der Themen berührt, die im Alltag keinen Platz bekommen.
- Kommunikations- und Gesprächsverhalten. Hier findest du quantitativ messbare Bestandteile deiner Sprache, etwa wie ausführlich du formulierst, wie viele Füllwörter du nutzt oder wie oft du dir selbst widersprichst.
Aus diesen drei Bereichen ergibt sich ein stimmiges Bild deiner sprachlichen Wirkung. So wird aus einem Gefühl, wie du auf andere wirkst, eine klare Grundlage, um gezielt daran zu arbeiten.
Wie sich Wirkungsweisen trainieren lassen
Hinter jeder Wirkungsweise steht ein trainierbares Verhalten. Für Führungskräfte sind verschiedene Werte besonders wichtig in der Kommunikation mit Mitarbeitenden. Auf zwei Werte gehen wir im Folgenden ein:
Zielorientiert bedeutet, ein Gespräch aktiv zum Ziel zu führen. Bei einer niedrigen Ausprägung lässt du mehr Raum für Fragen und Diskussionen, allerdings geht auch schnell einmal die Struktur in Meetings verloren. Bei einer zu hohen Ausprägung kommst du zwar schneller zum Ziel, lässt dafür jedoch anderen kaum Raum zur Mitsprache. Trainieren lässt sich das, indem das Ziel am Anfang ausgesprochen wird, Zwischenstände gebündelt werden und bewusst Fragen gestellt werden.
Beeindruckend bedeutet, eigene Bilder und Visionen in den Köpfen anderer zu erzeugen und Menschen inhaltlich wie emotional mitzunehmen. Zu niedrig ausgeprägt, bleibt eine gute und wichtige Botschaft sachlich korrekt, aber nicht hängen. Der Hebel ist eine bildliche Sprache, um das eigene Bild ebenfalls in den Köpfen anderer zum Leben zu erwecken.
So wird aus einem Messwert ein Ansatzpunkt mit konkreten sprachlichen Mustern, mit denen du weiterarbeiten kannst. Dabei geht es nicht darum, eine Rolle zu spielen oder besser zu klingen, als du bist. Trainiert wird, was du schon mitbringst, genauso wie das, was deine Rolle zusätzlich von dir verlangt.
Warum ein maschinelles Interview besser als ein Gespräch ist
Das Interview mit der künstlichen Intelligenz hat einen entscheidenden Vorteil: die Vergleichbarkeit. Das maschinelle Interview bringt alle Teilnehmenden in exakt dieselbe Situation mit den gleichen Fragen und dem gleichen Ablauf. So entstehen normierte, vergleichbare Ergebnisse. Sobald ein Mensch das Interview führt, kommen Störfaktoren dazu wie Sympathie und ein Abschweifen im Gespräch. Davon können sich auch geschulte Psychologinnen und Psychologen nicht ganz freimachen. Der Maschine gelingt das besser.
Und der Datenschutz? Es werden ausschließlich die Auswertungsergebnisse des Gesprächs gespeichert. Die eigentlichen Inhalte des Interviews werden nicht aufgezeichnet. Die Ergebnisse liegen verschlüsselt auf deutschen Servern und sind für 30 Tage einsehbar.
Wie das Interview abläuft und was du davon hast
Der Ablauf des Sprachanalyse sieht wie folgt aus:
- Du bekommst eine Einladung.
- Du führst das Interview, wann es dir passt. Die KI kann immer. Rund 12 Minuten, per Telefon.
- Wir vereinbaren mit dir einen Termin zur Auswertung.
- In einem ausführlichen Gespräch gehen wir die Ergebnisse gemeinsam durch und ordnen sie in deinen Kontext ein.
Der letzte Punkt ist der entscheidende. Dasselbe sprachliche Profil bedeutet bei einer Person im Vertrieb etwas fundamental anderes als bei jemandem, der in der IT ohne Kundenkontakt arbeitet. Der echte Mehrwert sind nicht die reinen Daten, es ist die Einordnung in deine berufliche Realität.
Für wen sich die Analyse lohnt
Wir setzen die KI-gestützte Sprachanalyse überall dort ein, wo sprachliche Wirkung über Ergebnisse entscheidet. Sie macht sowohl blinde Flecken als auch kommunikative Stärken sichtbar.
Geschäftsleitungen und C-Level. Je höher die Position, desto größer ist die Reichweite jedes Satzes und desto seltener ist ehrliches Feedback. Die Analyse ist der Spiegel, den dir auf dieser Ebene die wenigsten noch vorhalten.
Führungskräfte im Rollenwechsel. Wer neu in Führung geht oder eine größere Rolle übernimmt, merkt schnell, dass die Sprache, die als Fachkraft oder in der alten Führungsrolle funktioniert hat, in der neuen Rolle nicht automatisch weiter funktioniert. Die Analyse zeigt, welche sprachlichen Fähigkeiten du schon mitbringst und welche die neue Rolle stärker braucht.
Führungsteams als System. Auslöser für die Sprachanalyse kann spürbarer Druck oder Spannung im Führungskreis sein, genauso aber Neugierde oder der Wunsch, frühzeitig gegenzusteuern, bevor überhaupt die Stimmung kippt. In jedem Fall macht die Analyse die sprachlichen Muster der Einzelnen sichtbar und damit besprechbar.
Als Instrument für die Personalauswahl eignet sich die Analyse nicht. Sprachliche Wirkung ist nur ein Teil dessen, was eine gute Personalentscheidung ausmacht. Erfahrung, Fachwissen und viele weitere Faktoren zählen genauso. Sie bleibt deshalb ein Werkzeug für Führungskräfteentwicklung.
Zurück zu Svenja und Tom
Im Auswertungsgespräch bekamen die beiden erste Antworten auf ihre Frage, woher die Reibung kommt. Svenja, als ausgebildete Juristin, redete viel, kam dabei nicht auf den Punkt und legte sich zusätzlich in ihren Aussagen nicht fest. Mit dem Hintergrund ihres Berufs erklärbar, allerdings in ihrer Rolle als Geschäftsführerin und Führungskraft unpassend.
Tom, der zuvor diverse Führungspositionen in verschiedenen Unternehmen innehatte und eine betriebswirtschaftliche Ausbildung hat, kommunizierte zielorientiert, verbindlich und autoritär. Mit seinem Effizienzansatz ließ er jedoch wenig Raum für andere sich einzubringen und weitere Perspektiven zu hören.
Beide Kommunikationsmuster sind aus der Vergangenheit erklärbar, bringen in der Zusammenarbeit jedoch Herausforderungen mit sich. Während Svenja in Zukunft darauf achten kann, verbindlich und klar zu kommunizieren, muss Tom lernen, in welchen Gesprächen er eher die zuhörende und fragende Rolle einnimmt.
Für Svenja und Tom war es ein wesentlicher Schritt, die Lücke zwischen Selbst- und Fremdbild zu verkleinern und die jeweils andere Seite besser zu verstehen. Daraus entstanden erste, konkrete Ansatzpunkte für das Miteinander. Im weiteren Coaching-Prozess blieb die sprachliche Wirkweise ein fester Baustein, der um weitere Elemente im Coaching und der strategischen Teamentwicklung erweitert wurde.
Was du mitnimmst
Gut gemeint ist nicht automatisch gut gesagt. Zwischen Absicht und Wirkung liegt dein blinder Fleck und genau den kannst du sichtbar machen. Die Daten allein sind nur die Grundlage für die Zusammenarbeit. Erst die Einordnung in dein konkretes Umfeld macht aus einer Analyse einen Hebel, den du für deine Kommunikation nutzen kannst.
Willst du wissen, wie du sprachlich wirklich wirkst – und was das in deinem beruflichen Umfeld bedeutet? Wir schauen zuerst auf dein System und ordnen die Ergebnisse dort ein, wo sie zählen.